Richtiger Umgang mit Abführmittel

Abführmittel sollte man immer in Absprache mit einem Arzt und nur kurz nehmen.

Abführmittel können abhängig machen


Abführmittel versprechen schnelle Hilfe bei Verstopfung. Es spricht auch nichts dagegen, kurzfristig ein Medikament gegen Verstopfung einzunehmen. Auf keinen Fall sollten die Präparate über einen längeren Zeitraum hinweg geschluckt werden. Auch die Dosierung darf nicht zu hoch zu sein. Der Darm gewöhnt sich sonst an die Stimulation und wird noch träger. Man wird abhängig vom Abführmittel. Außerdem kann es zu Vitamin- und Mineralstoffverlusten kommen und die Wirkung bestimmter Medikamente kann nachlassen.
Abführmittel machen zwar nicht (psychisch) süchtig, doch sie gehören zu den Mitteln, die sehr häufig über viel zu lange Zeiträume eingenommen werden. Die Abhängigkeit geht soweit, dass der Stuhlgang ohne Pillen gar nicht mehr geht. Die Hauptgründe für eine schlechte Darmfunktion: Es mangelt an körperlicher Bewegung und es werden zu wenige Ballaststoffe  in Form von Obst und Gemüse gegessen. Oft wird auch einfach nur zu wenig getrunken. Und dann ist da noch der Glaube, dass der Darm mindestens einmal am Tag entleert werden müsse. Doch auch nur dreimal pro Woche ist normal.

Wie wirken Abführmittel?

Sie bringen die Verdauung auf unterschiedlichen Wegen in Gang. Sehr schnell wirken die Mittel, wenn Sie sie per Zäpfchen oder Einlauf (Klistier, Klysma) einführen – also über den After. Nehmen Sie die Arznei als Tablette oder Lösung ein, müssen Sie sich eine Weile gedulden. Je nach Präparat dauert es zwischen sechs und zehn Stunden bis der abführende Effekt eintritt.

Substanzen wie Paraffin oder Glyzerin gelangen meist als Zäpfchen oder Klistier in den letzten Abschnitt des Verdauungstrakts. Dort bilden sie einen gleitfähigen Film auf der Darmwand und bewirken, dass sich der Darminhalt entleert. Arzneistoffe wie Bittersalz (Magnesiumsulfat) und Glaubersalz (Natriumsulfat) wirken anders: Sie halten Elektrolyte und Wasser im Darminneren zurück und regen somit den Stuhlgang an. Ähnliche Effekte haben Lactulose und Macrogol, wobei sie nur Wasser binden und den Stuhl dadurch aufweichen.

Direkt an der Darmwand greift eine Gruppe von pflanzlichen Abführmitteln an, zu denen zum Beispiel Aloe  und Sennesblätter gehören. Die darin enthaltenen Substanzen verhindern, dass Wasser und Elektrolyte von der Darmschleimhaut aufgenommen werden und fördern zugleich deren Einstrom ins Darminnere. In Folge sammelt sich vermehrt salzhaltiges Wasser im Verdauungstrakt, welches die Darmentleerung beschleunigt. Die chemischen Wirkstoffe Bisacodyl und Natriumpicosulfat entfalten ihre Effekte auf demselben Weg.

Anders verhalten sich sogenannte Quellmittel. Wie der Name schon sagt, quellen sie im Darm auf, indem sie Wasser binden. Die Arzneistoffe vergrößern auf diese Weise den Darminhalt. Zugleich weichen sie den Stuhl quasi ein und machen ihn gleitfähiger. Allerdings kann es zwei bis drei Tage dauern, bis ein Wirkeffekt eintritt. Inhaltsstoffe aus Leinsamen oder indischer  Flohsamen wirken so mild abführend. Wichtig: Unbedingt genügend trinken! Befindet sich zu wenig Flüssigkeit im Verdauungstrakt, können diese Quellmittel im schlimmsten Fall zu einem Darmverschluss beitragen. Wer herz- oder nierenkrank ist – und daher nur bestimmte Flüssigkeitsmengen zu sich nehmen darf –, sollte diesen Punkt bei der Auswahl eines Abführmittels ansprechen und sich vom Arzt oder Apotheker beraten lassen.

Welche Nebenwirkungen sind möglich?

Abführmittel sind meist gut verträglich. Trotzdem können sie Nebenwirkungen hervorrufen. Unter Umständen können Sie beispielsweise Blähungen bekommen oder leichte Bauchkrämpfe verspüren, wenn die Wirkung des Medikaments einsetzt.

Wichtig: Sie sollten Abführmittel nur für kurze Zeit anwenden, es sei denn Ihr Arzt verordnet sie ausdrücklich längerfristig. Denn erstens sollte bei länger anhaltenden Verstopfungen immer die Ursache geklärt werden und zweitens kann der Darm wieder träge werden, wenn Sie Abführmittel zu lange oder zu oft benutzen

Ein regelmäßiger und leichtfertiger Gebrauch von Abführmitteln hat langfristig nicht zu unterschätzende Folgen – zum Beispiel Elektrolytstörungen, speziell Kaliummangel. Der Mangel an Kalium kann wiederum zu Verstopfung (Obstipation) führen. Andere mögliche Folgen: Störungen der Herzfunktion und Muskelschwäche. Die können insbesondere dann auftreten, wenn gleichzeitig noch harntreibende (Diuretika) oder kortisonhaltige Arzneimittel eingenommen werden. Auch chronische Entzündungen der Darmschleimhaut und ein Reizdarmsyndrom können nach langjährigem regelmäßigem Gebrauch von Abführmitteln entstehen.

Eine Einnahme von Abführmitteln über längere Zeit kann außerdem die Struktur des Darms unwiderruflich schädigen. Die Darmbewegungen werden schwach und der Stuhl nicht mehr ausreichend aus dem Darm befördert.

 

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